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Auf den Spuren von Stirling, Ben van Berkel & Co

Architektur in Stuttgart

Einige namenhafte Bauherren haben in Stuttgart ihre Spuren hinterlassen. Egal ob diese nun Leonhardt, Stirling oder Yi heißen – am Anfang wurden ihre Entwürfe teils kritisiert. Und am Ende dann doch geliebt. 

40 Meter ragt die Stadtbibliothek (2011) am Mailänder Platz in die Höhe. Der koreanische Architekt Eun Young Yi sieht in dem Monolith, dessen Fassade unzählige Glasbausteine zieren, einen geschliffenen Edelstein. Tagsüber grau und schlicht, erstrahlt der Bücherkubus nachts in einem leuchtenden Blau. Nach außen wirkt das Gebäude verschlossen, innen öffnet sich eine neue Welt: Ein 14 Meter hoher Raum, ohne Möbel, nur durch ein zentrales Oberlicht erhellt. 100 Kubikmeter Leere als Gegenwelt zum hektischen Alltag. Yi nennt diesen archaischen Raum der Ruhe das Herz. Die Stadtbücherei ist zu Stuttgarts neuem geistigen und kulturellem Zentrum geworden, das allen Nationen offensteht. Das symbolisieren auch die Inschriften der Außenfassade: Das Wort Bibliothek ist auf der Westseite auf Englisch, im Norden auf Deutsch, auf der Ostseite auf Koreanisch und im Süden auf Arabisch silbern eingelassen. 
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite besticht das Z-UP (2009) durch die runden Ecken seiner breiten, weißen Fensterrahmen, die sich kontrastreich vom schwarzen Grund abheben. Architekt ist Professor Wolfgang Kergaßner. Das Büro- und Wohngebäude, in dem unter anderem der Reader’s Digest Verlag ansässig ist, verdankt seinen Namen seiner Lage – im doppelten Sinne. Das Z steht für den Grundriss des Gebäudes, der einem liegenden Z gleicht. Das UP symbolisiert die exponierte Lage am Hang, mit Blick auf die Stadt. 
Das Haus der Geschichte (2002) und die Musikhochschule Stuttgart (1996) sind die bekanntesten Bauten von Wilford Schupp Architekten. Am Fuße des Killesbergs haben die Baumeister ein steriles Laborgebäude aus den 1950er Jahren in ein Wohnhaus mit 23 Stadtwohnungen verwandelt, und nannten es QUANT (2008). In Anlehnung an Max Planck, den Begründer der Quantenphysik. Ansatz war, die moderne Formensprache zu erhalten und gleichzeitig die architektonischen Elemente des Gebäudes weiter zu interpretieren. Außen werden mit Rasenebenen und schräg verlaufenen Natursteinmauern die Weinberge der Stadt thematisiert. Im Inneren hat man die Bildsprache der Stuttgarter Künstler Oskar Schlemmer, Willi Baumeister und Adolf Hölzel aufgegriffen.
Proteste gab es 1956, als der 217 Meter hohe Fernsehturm über die Baumgipfel ragte. Heute ist die „Betonnadel“ das Wahrzeichen Stuttgarts und nicht mehr wegzudenken. Zudem ist der Stuttgarter Fernsehturm der erste seiner Art. Weltweit. Am 5. Februar 2016 feierte der Fernsehturm 
bereits sein 60-jähriges Jubiläum. Ursprünglich war ein Stahlgittermast geplant. Fritz Leonhardt (1909-1999) erfuhr zufällig von den Plänen, schlug den Bau eines Aussichtsturms mit Café vor, und überzeugte. Leonhardt verwirklichte den Fernsehturm zusammen mit Erwin Heinle und Rolf Gutbrod (1919-1999). Letztgenannter zeichnet sich als Baumeister der Stuttgarter Liederhalle (1954-1956) verantwortlich. Die Liederhalle wurde am 2. August 1956 als einer der wichtigsten Kulturbauten in Deutschland der Nachkriegszeit eröffnet – und feierte 2016 sein 60-jähriges Bestehen. Seit Juli 2019 wird der Kongressbereich des Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle Stuttgart umfassend saniert – das Haus soll im September 2020 wiedereröffnet werden. Gleich nebenan wurden im Bosch Areal städtebauliche Vergangenheit und Zukunft vereint. Die Fabrikgebäude entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts. Zwischen Sichtbeton und roter Klinkerfassade schwingt sich seit 2001 ein aus 1.000 Einzelscheiben bestehendes Glasdach, entworfen von den Stuttgarter Ingenieuren Schlaich, Bergermann und Partner.  
Eines der bedeutendsten Zeugnisse des Neuen Bauens ist die Weissenhofsiedlung (1927). Entstanden als Bauausstellung der Stadt Stuttgart und des Deutschen Werkbundes. Unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe schufen 17 Architekten, darunter Le Corbusier, Walter Gropius und Hans Scharoun, ein Wohnprogramm für den modernen Großstadtmenschen. Doch die Weissenhofsiedlung – seit dem 17. Juli 2016 Träger des Titels „UNESCO-Weltkulturerbe“ – war damals nicht unumstritten. Ein prominenter Gegner des Neuen Bauens war Paul Bonatz (1877-1956). Er vertrat die Stuttgarter Schule des Bauens, eine klassisch und konservativ geprägte Bauweise, mit Hang zum Monumentalen. Sein wichtigstes Bauwerk ist der Stuttgarter Hauptbahnhof (1914-1927). Einer von Bonatz Assistenten an der TH Stuttgart war Martin Elsaesser (1884-1957), später einer der bedeutendsten Kirchenarchitekten Südwestdeutschlands und Professor für mittelalterliche Baukunst. Nach seinen Entwürfen wurde die Stuttgarter Markthalle (1911-1914) im Jugendstil erbaut, die 1971 zum Diskussionsthema wurde. Als „wirtschaftlich unrentabel" erachtet, sollte sie einem „multifunktionalen Zentrum" weichen. Mit einer Stimme Mehrheit entscheidet sich der Gemeinderat damals für den Erhalt. Heute steht die Stuttgarter Markthalle unter Denkmalschutz und ist eine gern besuchte Einkaufsstätte. 
Das Kunstmuseum Stuttgart (2005) des Berliner Architekturbüros Hascher + Jehle beeindruckt durch seine schlichte Eleganz. Die gebürtigen Stuttgarter wollten einen „ruhigen, eleganten Baukörper schaffen, der eindeutig in unserer Zeit verankert ist“. Sie entschieden sich für einen architektonischen Solitär. Der gläserne Würfel umschließt einen steinernen Kubus, der einen Teil der Ausstellungsflächen birgt. 
Auch für andere Stuttgarter Museen gilt: Nicht nur das Innere zählt. Die Alte Staatsgalerie (1838 – 1843) wurde unter König Wilhelm I. von Württemberg erbaut und gehört zu den ältesten Museumsbauten in Deutschland. Ihm schließt sich die weltbekannte Neue Staatsgalerie des schottischen Stararchitekten James Stirling aus dem Jahre 1984 an. Sie gilt als Paradebeispiel der postmodernen Architektur. Das Mercedes-Benz Museum (2006) ähnelt in seiner Grundstruktur einem dreiblättrigen Kleeblatt. In der Mitte der gewölbten Form entstand so ein dreieckiges Atrium, um das herum die Ausstellungsräume angeordnet sind. Die Ausstellung folgt dabei einer geschraubten Helix, die sich über alle Stockwerke zieht. Der Entwurf stammt von Ben van Berkels „UN Studio", einem der innovativsten europäischen Architekturbüros. 
Das Porsche Museum (2009) präsentiert sich als ein losgelöster und dynamisch geformter monolithischer Körper, der über dem Boden und dem Erdgeschossniveau zu schweben scheint. Entworfen vom österreichischen Architekturbüro Delugan Meissl Associated Architects. Die einzige Verbindung des 5.600 m² großen Ausstellungsraums zum Boden bilden drei Stahlbetonkerne. Von vielen Experten als unbaubar zurückgewiesen, konnte das Museum nur dank modernster Konstruktionsmethoden aus dem Brückenbau realisiert werden. 6.000 Tonnen Stahl sind in dem Museum verbaut worden. Daraus hätte man einige Porsche bauen können, wie sie in der Ausstellung des Museums zu sehen sind. 
Das Stadtpalais – Museum für Stuttgart wurde 2018 nach dem Entwurf des Architektenbüros „Lederer Ragnarsdóttir Oei“ eröffnet. Innerhalb der historischen Fassade verteilen sich im 1. und 2. Stock die Ausstellungsräume. Das Erdgeschoß dient als erweitertes Wohnzimmer der Stadt – neben der Museumsbar gibt es einen Vortragssaal sowie Platz für Sonderausstellungen. 

(989 Wörter im Artikel)

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